Lesen oder Zuhören

Sie können den Text selbst lesen oder sich den Standpunkt vom Landratskandidaten vorlesen lassen: Podcast von Robert Ahrnt zum Thema „Wohnungsbau“.

Hohe Mietpreise sind Gift für unsere Gesellschaft. Denn Arm und Reich werden dadurch immer weiter auseinander gebracht. Die einen arbeiten ihr halbes Leben lang für die Miete. Den anderen fällt ein Vermögen in den Schoss, wenn ein Haus mit Mietwohnungen verkauft wird. Der freie Wohnungsmarkt regelt das eben nicht. Er könnte das alles nur dann regeln, wenn es ein ständiges neues Angebot an günstigen Baugrundstücken gäbe.

Für die Wohnungsversorgung von einkommensschwachen Mietern sind die Gemeinden und Städte zuständig. Nun könnte der Kreis aber einen Impuls setzen und die Städte und Gemeinden zu einem Wohnungsgipfel einladen, um dem Wohnungsbau mehr Schwung zu verleihen. Und genau das hat der Kreistag nach einem Antrag von SPD, Grünen und FDP auch kürzlich beschlossen. Aber vom Reden allein entstehen keine neuen Wohnungen. Was kann man also tun?

Kleiner Einschub: Ich habe mehrere Jahre lang für den Bauverein in Darmstadt Wohnungsbauprojekte entwickelt. Mietwohnungsbau. Das war Teil meines Berufes. Und privat lebe ich in der Baugenossenschaft Wohnsinn zur Miete. Diese Genossenschaft wurde vor 20 Jahren von den heutigen BewohnerInnen neu gegründet, um preisgünstiges gemeinschaftliches Wohnen von Jung und Alt zu ermöglichen. Wohnsinn. Findet man im Internet.

Was ist der Vorteil der Genossenschaft? Die Wohnungen gehören den Menschen, die darin wohnen. Aber sie gehören genauso den Menschen, die künftig darin wohnen werden. Wie viel die Wohnungen wert sind, spielt in der Praxis keine Rolle. Die Miete ist nur so hoch wie die Kosten für die Wohnung, denn es zieht keiner einen Gewinn daraus.

Dieses genossenschaftliche Prinzip wurde in beispielsweise in Österreich, in der Stadt Wien, in den 20er-Jahren zum Massenmodell entwickelt. Mit der Folge, dass die Mieten in Wien noch heute, d.h. 100 Jahre später, deutlich niedriger sind als in allen anderen vergleichbaren Großstädten.

Was muss man solchen Genossenschaften eigentlich bieten, damit diese neue Wohnungen bauen? Genossenschaften brauchen Baugrundstücke zu einem moderaten Preis. Sie brauchen genug Zeit in der Planung, denn sonst wird das Grundstück sofort von privaten Investoren gekauft. Gerade neue Genossenschaften brauchen auch einen starken Partner im Rücken, der bei den Banken durch Bürgschaften die Startphase ermöglicht. Dieser starke Partner könnte der Landkreis sein.

Als Landrat möchte ich solche Impulse für mehr Wohnungsbau setzen. Die Instrumente dafür gibt es schon seit mehr als 100 Jahren – ich möchte sie konsequent einsetzen.

Kontakt
Kreisverwaltung Darmstadt-Dieburg, Büro des Ersten Kreisbeigeordneten
Rechtliches

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