KreistourRobert Ahrnt aktuellRoßdorf am 16.05.2021

20. Mai 2021

Treffpunkt in Roßdorf ist der alte Bahnhof. Roßdorf ist die Gemeinde, in der ich mehr als 20 Jahre lang mit meiner Familie gelebt habe. Viele Neujahrstreffen haben wir mit den Grünen in diesem Bahnhofsgebäude gefeiert. Das ist Vergangenheit.

Heute gehts es um die Zukunft und die Verkehrswende in Deutschland. An meiner Seite ist wieder unsere Bundestagsabgeordnete Daniela Wagner, die sich ebenfalls ein Bild von der Situation vor Ort machen will. Es geht um die politisch von allen Parteien gewünschte Straßenbahn nach Groß-Zimmern. Das Problem: Vor rund 30 Jahren hat die AWO auf der ehemaligen Strecke ein Seniorenwohnheim errichtet. Das Grundstück war seinerzeit von der Bahn entwidmet worden und die AWO hat dort auf ausdrücklichen Wunsch der Gemeinde gebaut. Die Folge: Eine künftige Straßenbahn muss um das Seniorenwohnheim herumfahren. Das war in den letzten Jahrzehnten auch gut vorstellbar.

Jetzt ist dort aber das neue Baugebiet “Im Münkel” im Entstehen. Leider sieht der Bebauungsplan der Gemeinde östlich der AWO aber keine Festsetzung “Bahntrasse” vor, sondern Allgemeines Wohngebiet. Das habe ich erst kürzlich mit großen Augen entdeckt. Wie kann das sein? Soll die Bahn den künftigen Bewohnern des Wohngebiets durch den Garten fahren? Oder hält die Gemeinde das Grundstück, welches sie zu Baulandpreisen zugeteilt bekommen hat, jetzt so lange frei, bis die Straßenbahn das Wohnbauland zu Verkehrsfläche entwertet? Das frage ich in die Runde. Leider können mir die anwesenden grünen Gemeindevertreter auch nicht erklären, warum die Straßenbahn- oder Eisenbahntrasse im Bebauungsplan nicht öffentlich-rechtlich gesichert wurde.

Wir sind uns einig: In der Gemeindevertretung Roßdorf muss dringend ein Antrag auf Änderung des Bebauungsplans für das betreffende Grundstück eingereicht werden. Wir wandern bei frischem Wind und wechselhaftem Wetter weiter durch das neue Baugebiet. Meine Begleitung zeigt mir Stellen, wo es einem als Fußgänger oder Radfahrer graust. Ich habe Stadtplanung studiert. In Roßdorf im Münkel muss man aber nicht Stadtplanung studiert haben, um zu erkennen, dass dieses Wohn- und Gewerbegebiet aus Autofahrersicht geplant wurde. Wegeverbindungen zur vorhandenen Bebauung passen nicht zueinander. Eine Fußgängerrampe führt direkt in die LKW-Zufahrt des Lebensmittelmarktes. Lange und triste fensterlose Gewerbewände direkt gegenüber einer Wohnstraße, ein mangelhafter Radweg am Rande des neuen Baugebiets. Mein Fazit: Selbst zu Zeiten des Bürgermeisters Jakoubek wurde in Roßdorf ökologischer geplant als aktuell. Von Schönheit kann man in diesem Baugebiet ohnehin an keiner Stelle reden.

Ich frage meine Begleitung, ob denn wenigstens etwas geplant sei, um der Verödung im Ortskern entgegenzuwirken. 30 Jahre ist die erfolgreiche Dorferneuerung in Roßdorf her, aber aufgrund der Probleme im Ortskern wäre nun eine neue Phase der Aufwertung des Ortskerns wichtig. Eine Kommission sei geplant, wird mir berichtet. Die anwesenden grünen GemeindevertreterInnen finden das nicht gut. Eine Kommission tagt nämlich vertraulich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Thema Dorferneuerung sollte aber öffentlich verhandelt werden.

Die Gruppe ist sich einig: Es wird spannend in der frisch gewählten Gemeindevertretung, in der es künftig wechselnde Mehrheiten geben wird. Die Grünen sind stärker, es gibt einen gelungenen Generationswechsel in der Fraktion und jede Menge Ideen, was man in Roßdorf besser machen kann. Danke an Eric Slabon, Ulla Bernhard, Astrid Kaufmann, Monika Kammer, Sabrina-Anna Hänsel und Frieder Kaufmann für den informativen Rundgang. Und viel Erfolg kommende Woche im Berliner Bundestag, Daniela Wagner!

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